Einstieg in FileMaker: 10 Stolpersteine – Teil 1

Einstieg in FileMaker: 10 Stolpersteine - Teil 1

Mit FileMaker Pro können auch Einsteiger eine Datenbank entwickeln. Praktisch bestehen aber einige Stolpersteine, die unbedingt beachtet werden müssen, wenn Ihnen Ihre Daten und Ihre Zeit wichtig sind.

Photo: Johannes Klingebiel | Quelle: unsplash.com
Photo: Johannes Klingebiel | Quelle: unsplash.com

FileMaker Pro ist eine der bemerkenswertesten Plattformen für Rapid Application Development auf dem Markt. Es ist extrem attraktiv, dieses Werkzeug, das sowohl Datenbank-Engine wie auch Datenbank-Frontend-Entwicklungsumgebung ist, für eine Geschäfts-Aufgabenstellung zu nutzen und dann innerhalb weniger Stunden oder Tage eine funktionsfähige erste Version vorliegen zu haben. Genau so habe ich für meine Arbeit als Ingenieur verschiedenste Werkzeuge realisiert. Und dabei natürlich so einige Anfängerfehler gemacht, aber dadurch auch viel gelernt.

Wenn Sie als Leser entschieden haben, mit FileMaker zu arbeiten, aber noch wenig wissen über FileMaker, dann ist dieser Blogbeitrag genau richtig für Sie. Mein Ziel ist es, Ihnen aufzuzeigen, welche Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten, respektive welche wichtigen Aspekte Sie zu Beginn beachtet müssen. Sie werden feststellen, dass Sie zuerst eher konzeptionell vorgehen sollten - eigentlich wie so oft im Leben. Ich werde diesen Blog in zwei Teile aufteilen, sodass er nicht zu lang wird und trotzdem die notwendigen Informationen enthält.
 
1. Einstieg: Verschaffen Sie sich zuerst nur kurz einen Überblick um zu verstehen, wie FileMaker Tabellen definiert und mit Beziehungen arbeitet. FileMaker macht dies anders als die anderen Datenbanksysteme. Es werden alle Beziehungen und damit der Zugang zu den Daten ausschliesslich über Tabellenauftreten definiert (dies ist eine Instanz einer Tabelle, ähnlich einem Alias unter MacOS oder einer Verknüpfung unter Windows, nennen wir sie im Folgenden TO als Abkürzung von ‚Table Occurrence’). Man sieht in FileMaker Daten ausschliesslich, indem man für ein Layout eine TO festlegt. Damit können die Daten dieser TO und aller über Beziehungen verknüpften TO’s angezeigt werden. Im Gegensatz zu SQL Datenbanken ist damit die Beziehung fest in der Datenbank hinterlegt. Spielen sie damit, importieren sie einige Excel Tabellen und verknüpfen sie diese über ein Schlüsselfeld, das in beiden Tabellen für die zusammengehörenden Datensätze gleich ist. Sobald Sie ein Gefühl für FileMaker entwickelt haben, würde ich rasch Schritt 2 und 3 angehen und nicht in die Programmierung einsteigen.

 

2. Lernphase: Investieren Sie genügend Zeit, um das mächtige Werkzeug FileMaker von Beginn weg gut kennenzulernen, es zahlt sich mehrfach aus. Sie werden damit viele Fehler vermeiden und letztendlich mehr Freude und Erfolg haben. Der natürliche erste Schritt könnte das Benutzerhandbuch von FileMaker Pro selbst sein (aktuell für Version 14). Dieses ist zwar als Einführung ok und vermittelt wie alle weiteren Handbücher für FileMaker Go oder Server das Wissen, um einfach einmal beginnen zu können. Doch die wirklich professionellen Bücher sind ‚FileMaker Training Series Basics’ und ‚FileMaker Training Series Advanced’, beide ebenfalls für die aktuelle Version 14 von FileMaker erhältlich. Aus meiner Sicht sind dies die aktuell besten Bücher, um die Entwicklung mit FileMaker Pro effizient und umfassend zu lernen. ‚Basics’ bietet auf etwa 300 Seiten (Abhängig von der Darstellung) eine recht umfassende und doch erstaunlich kompakte Einführung, um mit FileMaker Pro in allen Aspekten vertraut zu werden, von Datenmodell bis Sicherheit und Server. Das Buch ist bei FileMaker  als Download und im iBooks Store kostenlos erhältlich. ‚Advanced’ richtet sich mit den über 800 Seiten an den bereits mit FileMaker vertrauten Entwickler und behandelt alle Themen nochmals wesentlich vertiefter und sehr umfassend. Zudem hat es auch deutlich mehr Übungen mit gut vorbereiteten Beispieldateien, Lösungen und Videos mit dabei. ,Advanced’ ist für Mitglieder der FileMaker Developer Subscribers kostenlos, oder es ist für einen geringen Betrag im FileMaker Store oder iBook Store erhältlich und das Geld absolut wert. ,Advanced’ ist zudem das Buch, welches von FileMaker Inc. als offizielle Vorbereitung für eine FileMaker Zertifizierung genannt wird. Beide Bücher wurden von Soliant Consulting geschrieben, einem sehr erfahrenen FileMaker Entwicklungs-Unternehmen, und beide Bücher sind auch in Deutsch erhältlich.

 

3. Vorlagen: FileMaker Pro 14 enthält 16 Starter-Lösungen. Ich finde diese Vorlagen gut gemacht, und wenn sie passen kann man sie selbstverständlich für eine eigene Anwendung gut verwenden. Solange man nur kleinere Anpassungen vornimmt, ist die Verwendung dieser Starter-Lösungen eine gute Sache.
Ich rate aber davon ab, eine eigene Lösung darauf aufzubauen und viel Zeit in deren Entwicklung zu investieren. Selbst mit einiger Erfahrung kann es vorkommen, dass beispielsweise Anpassungen zu unerwarteten Ergebnissen führen, wenn man die Lösung nicht komplett verstanden hat. Ich würde die Vorlagen in jedem Fall aber für das eigene Training nutzen, sie ‚auseinander’ nehmen, damit spielen und schauen wie alles gemacht ist, zu Beginn und auch später, wenn man eine ganz bestimmte Funktionalität sucht. Und dann würde ich mit einer neuen leeren Datenbank beginnen und Schritt für Schritt alles entwickeln, was man braucht. Der Lerneffekt ist grösser, und vor allem weiss man dadurch genau, was man in der eigenen Lösung realisiert hat.
Komplett abraten würde ich, mit den vielen meist sehr professionellen Templates, die kostenlos oder oder kostenpflichtig erhältlich sind, das eigene Training zu beginnen. Diese Templates sind zwar oft absolut genial gemacht, sie sind jedoch für einen Einsteiger aus meiner Sicht meistens zu komplex und bringen am Anfang viel mehr Frust als Lerneffekt. Erst mit genügender Praxis bieten diese Templates dann die willkommene Professionalisierung.

 

4. Datenmodell: Nutzen Sie ein bewährtes und übersichtliches Daten- und Beziehungsmodell. Als 2004 mit FileMaker Pro 7 das heutige Konzept der Beziehungen eingeführt wurde, war mir nicht auf Anhieb klar, wie ein gutes Datenmodell ausschaut (viele FileMaker Entwickler scheinen ähnliche Erfahrungen gemacht zu haben). Vielfach habe ich die Beziehungen einfach nach Bedarf erstellt, was ein suboptimales Beziehungsmodell ergab. Erst später bin ich dann auf das Anker-Bojen Modell aufmerksam geworden, welches eine extrem klare und logische Vorgehensweise darstellt. Für jeden Themenbereich, zu dem Daten angezeigt werden sollen, ist eine TO (Tabellenauftreten) als Anker definiert. Daran hängen die weiteren TO’s über die entsprechenden Beziehungen (die Bojen), in der Regel ergibt dies 2 Stufen, maximal 3 Stufen. Sehr gut beschrieben ist dieses Modell zum Beispiel im ‚FileMaker Training Series Advanced’, zudem finden sich natürlich viele Blogbeiträge und Präsentationen im Internet dazu (insbesondere unter dem englischen Begriff anchor buoy method). Dieses Modell hat sich inzwischen zu einem quasi Standard in der FileMaker Entwicklerszene durchgesetzt, was sehr begrüssenswert ist. Seit kurzem gibt es eine interessante Erweiterung, das Selector-Connector Modell, auf das ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen möchte. Mehr dazu plane ich in einem zukünftigen Blogbeitrag als Erfahrungsbericht zu schreiben, sobald ich ein Projekt damit realisiert habe.

 

5. Namenskonventionen: Sie sollten sich zu Beginn einer Entwicklung auch klar sein über die Namenskonventionen von allen Elementen in der Datenbank, welche benannt werden müssen, und dies dann konsequent in der eigenen Lösung umsetzen, insbesondere für Tabellen, TO, Felder, Variablen, Layouts, und Scripts. Dazu gehört ebenfalls die Nutzung von Zeichen und die Schreibweise mit Abkürzungen, CamelCase etc. Leider hat sich keine der von verschiedenen Gremien vorgeschlagenen Konvention als Best Practice durchgesetzt. Offenbar ist der FileMaker Entwickler eben auch zu einem gewissen Grad ein Individualist mit eigenem Stil und Präferenzen. Das heisst, es muss sich letztendlich jeder seine Meinung bilden. Ich empfehle, folgende Informationen zum Thema Namenskonvetionen anzuschauen:

‚FileMaker Training Series Advanced’ zeigt in pragmatischer Art ein Set von Konventionen anhand der vielen Beispiele, allerdings ohne diese formell zu definieren. Meine eigenen Projekte sind weitestgehend in Anlehnung an diese Konventionen ausgeführt, allerdings verwende ich auch gute Elemente aus den nachfolgenden Konventionen.

 

FileMaker Development Conventions (2005) von FileMaker Inc.:
https://www.filemaker.com/br/downloads/FMDev_ConvNov05.pdf

 

FileMaker Coding Standards von Matt Petrowsky und verschiedenen weiteren Entwicklern in den USA:
http://filemakerstandards.org/display/cs/Overview

 

„Namen sind All und Auch“, Artikel im FileMaker Magazin (2015.04) von Thomas Siebert, https://filemaker-magazin.de

 

„FileMaker Naming Conventions and Standards“, Blog Artikel von Kevin Hammond (2013)
https://www.dbservices.com/articles/filemaker-naming-conventions-and-standards/

 

Dies sind einmal meine ersten 5 der 10 kritischsten Stolpersteine bei Neueinsteigern. Im nächsten Blogbeitrag werde ich die folgenden 5 etwas mehr praxisbezogenen Aspekte ausführen:

 

Tabellen und Felder, Layout und Berichte, Designs und Stile, Server und Backup, Sicherheit.

 

Ich hoffe, dieser Artikel ist für den einen oder anderen FileMaker Einsteiger wertvoll und verhilft ihm zu einem guten und erfolgreichen Start mit FileMaker Pro. Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, oder wenn Sie eine Anmerkung haben, hinterlassen Sie doch gerne ein Feedback. Und lesen Sie doch auch den zweiten Teil in zwei Wochen.

 

8.5.2016
Markus Spieler

4 Comments on “Einstieg in FileMaker: 10 Stolpersteine – Teil 1

  1. Guten Tag,
    ich bin auf der Suche nach Ideen und Tips zu hierarchischen Wertelisten auf Ihre Homepage gestoßen und würde Sie ebenfalls gerne um Rat bzw. eine Beispieldatei bitten.
    Ich bastle an einer Datenbank für archäologische Ausgrabungen, und möchte im ersten Feld einen Überbegriff (Siedlungen, Gräber, Einzelfunde), im nächst untergeordneten Feld dann nur noch zugehörige Werte angeben
    z.B. bei Siedlungen im ersten Feld dann z.b.
    Haus, Hütte, Palast im nächst untergeordneten,
    und für Haus im zweiten dann Tür, Fenster, Raum im nächsten), usw.
    Ich wäre Ihnen sehr dankbar

    1. Gerne helfe ich Ihnen mit der vorhandenen Beispieldatei weiter. Vielleicht wäre es auch eine gute Idee, dass ich kurz einen neuen Blog zu genau diesem Thema verfasse. Ich bin mit meinen geplanten Blog-Beiträgen sowieso schon arg im Rückstand…

  2. Hallo Herr Spieler
    Vielen Dank für den Bericht
    Ich habe mich in diese Anker Boje Technik hineingekniet und meine Datenbank umgestaltet.
    Ich beisse mir die Zähne aus an einem Thema.
    Darstellung und Filterung von Wertelisten.
    Es geht um ein Layout mit 7 Wertelisten die hierarchisch hintereinander sind:
    Parzelle / Gebäude / Eingänge / Nutzung / Etage / Raumgruppe / Raum alle 1 zu n
    nun will ich ein Layout mit allen Wertelisten haben und in allen Listen durch ein Klicken in den Datensatz die hinteren Werteliste filtern.
    Die Idee geht über Globale Felder …. Haben Sie irgendwo so ein Beispiel gesehen welches ich als Lernvorlage auseinander nehmen kann?
    Wie setze ich die Anker … wo sind die Filter …. usw.
    Gruss Alain Clémençon

    1. Hallo Herr Clémençon
      Danke für Ihr Feedback, Ihre Frage ist interessant. Ich arbeite gerade an einem Projekt mit einer ähnlichen hierarchischen Struktur. Ich habe kurz ein Beispiel dazu erstellt, wie es auf einfache Art aufgebaut werden kann. Gerne schicke ich Ihnen die FileMaker Datei per Mail zu.
      Beste Grüsse
      Markus Spieler

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