FileMaker Entwicklung mit Windows oder macOS?

FileMaker Entwicklung mit Windows oder macOS?

Ein kurzer Vergleich zeigt die relevanten Unterschiede und liefert damit ein paar Empfehlungen.

Windows auf dem Mac - ein typisches Bild bei Cross-Plattform FileMaker Entwicklungen, um eine Lösung auch auf dem System des Anwenders zu testen.
Windows auf dem Mac - ein typisches Bild bei Cross-Plattform FileMaker Entwicklungen. Photo: AVANEVO

Dieser Blogbeitrag richtet sich insbesondere an Leute, die selbst eine FileMaker Lösung für ihr Team oder ihr Unternehmen realisieren und überlegen, mit welchem Betriebssystem sie arbeiten sollen. Dieser Beitrag könnte damit eine Plattform Entscheidungshilfe für FileMaker Entwickler sein, oder vielleicht auch einen bereits getroffenen Entschied bestätigen. Die kommenden nächsten Blogbeiträge bauen auf diesem Beitrag auf. Sie werden mit einer freien Starterlösung eine Einstiegshilfe bieten und damit vermitteln, wie eine einfache Applikation schnell, zielsicher und nach ‚Best Practice’ realisiert werden kann.

 

Dieser Beitrag ist jedoch keine Diskussion, welches das bessere Betriebssystem ist, sondern möchte einfach kurz und knapp aufzeigen, was die wichtigsten Unterschiede der beiden OS für einen FileMaker Entwickler sind. Denn für geschäftliche und private Arbeiten sind heute eigentlich beide Plattformen ähnlich attraktiv, natürlich abhängig davon, was man damit machen will. Windows 7 war bereits ein starker Konkurrent zum Mac OS X, und Windows 10 hat nochmals deutlich zugelegt. Windows beherrscht unverändert den Business-Bereich, und macOS (wie das OS X neu heisst) ist insbesondere im kreativen und Bildungs-Bereich stark. Seit iOS ist macOS auch zunehmend relevant geworden in der Software Entwicklung.

 

In grossen Unternehmen definiert primär die IT-Strategie den Entscheid über das Betriebssystem für die Arbeitsplätze, zudem sind die Beschaffungskosten in der Regel ein wichtiger Faktor. Wenn jedoch die TCO (Total Cost of Ownership, also sämtliche Kosten für Abschreibung, Wartung, Update und User-Support) angeschaut werden, kann der Mac trotz den höheren Hardwarekosten in der Regel absolut mithalten.

 

Da FileMaker Entwickler häufig in kleineren Unternehmen arbeiten, sind dort die Plattform-Entscheide flexibler. Bei meinen FileMaker Entwickler-Kollegen fällt auf, dass viele mit Mac’s arbeiten. Der Entwickler will einfach den für ihn besten Rechner. Das stabile UNIX im Hintergrund bis hin zur Integration der verschiedenen Plattformen und der hohen Qualität der Hardware dürften dabei entscheidend sein.

 

Um es vorwegzunehmen, auch für mich als langjähriger Mac und Windows Benutzer ist der Mac der bevorzugte Computer, ich kann besser und effizienter arbeiten mit dem Mac. Aber der Entscheid ist objektiv betrachtet nicht in jedem Fall eindeutig. Ein Blick auf die wichtigsten Argumente für FileMaker Entwickler verdeutlicht dies:

 

Windows

Obwohl die FileMaker Versionen für Windows und Mac erstaunlich nahe beieinanderliegen, gibt es doch ein paar Verhaltensweisen, welche für FileMaker leichte Unterschiede aufweisen. Die wichtigsten Unterschiede sind das Fenster-Management oder die Schriftdarstellung im Layout bis hin zur Druckausgabe inklusive pdf Generierung. Zudem sind natürlich alle System-spezifischen Elemente anders, wie zum Beispiel File-Pfade bei Import/Export und externen Container-Daten. Da die Mehrheit der FileMaker Anwender auf Windows arbeitet, ist es für den Entwickler wichtig, seine Lösung zumindest auf der Windows Version zu testen, die auch der Anwender einsetzt.

 

Ein einfaches Beispiel verdeutlicht die Notwendigkeit von Checks auf beiden Systemen: Feldbeschriftungen beanspruchen auf macOS und Windows je nach Font leicht unterschiedlich Platz, somit kann es passieren, dass die mit dem Mac erstellte Beschriftung auf Windows nicht vollständig angezeigt wird. Dies ist nicht gravierend, stört jedoch und hinterlässt einen unprofessionellen Eindruck. Auch die Steuerung der Fenstergrössen muss für ein gutes Erscheinungsbild auf das vom Anwender genutzten System ausgerichtet sein. Beispielsweise verhalten sich Fenster und damit der Befehl ‚Fenster maximieren’ auf den beiden Systemen nicht genau gleich.

 

Für die FileMaker Entwicklung unter Windows sprechen folgende Argumente:

  • Häufigste Anwender-Plattform, somit erfolgt die Entwicklung auf dem gleichen System das auch die meisten Anwender nutzen, was letztendlich weniger Testaufwand bedeutet
  • Grössere Flexibilität bei der Hardware, sowohl bezüglich Marken wie auch bezüglich Konfigurierbarkeit, Ausbaubarkeit und Schnittstellen
  • Meistens günstigere Beschaffungskosten der Hardware
  • Bei grösseren Unternehmen in der Regel konform zur IT Plattform-Strategie
  • Vielzahl von SQL Datenbanken für Integrations-Tests verfügbar
  • Grössere Auswahl von weiteren Applikationen für Entwickler (Text-Editoren, Grafik-Programme etc)

macOS

Die Bedienung des macOS ist durch Hardware und Software aus einer Hand extrem gut aufeinander abgestimmt. Ich habe zum Beispiel noch nie Trackpads oder Tastaturen auf einer Windows Maschine gesehen, die derart präzise und angenehm sind zum Arbeiten. Da die Programmierung mit FileMaker auch einiges an Grafik-Arbeiten beinhaltet, ist dies ein wichtiger Aspekt. Das macOS hat einen sehr einfachen und logischen Umgang mit dem Filesystem und dem Netzwerk, mit wenigen Automatismen und mit der Option, auch mal direkt unter Unix zu arbeiten. Als Entwickler bedeutet all dies für mich mehr Geschwindigkeit und Effizienz.

 

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist die Möglichkeit, auf dem Mac auch Windows installiert zu haben (umgekehrt ist dies lizenzmässig von Apple her nicht legal). Für Tests unter Windows nutze ich regelmässig Windows 7 und Windows 10, welche unter BootCamp auf dem iMac und MacBook installiert sind. Dank SSD ist ein Wechsel mit einem Neustart extrem schnell, und die Daten sind ohnehin auf dem Server abgelegt und von beiden Systemen her problemlos zugänglich. Damit habe ich quasi beide Welten auf dem Desktop respektive dem Laptop und kann die Vorteile von beiden Welten nutzen. Für eine Entwicklung auf macOS sind die wichtigsten Argumente:

  • Effizientes Arbeiten mit dem System
  • Präzises Arbeiten für Layout- und Grafikaufgaben
  • Einsatz von macOS und Windows (native mit BootCamp oder virtualisiert) auf einem Gerät
  • Sehr gute Qualität der Hardware
  • Interessante Geräte für Entwickler wie der iMac Retina 5K oder das MacBook Pro
  • Typischerweise lange Einsatzdauer der Hardware mit Updates des Betriebssystems über mehr als 5 Jahre, was die gesamten Kosten der Hardware relativiert
  • Praktisch jährlich grosses und kostenloses Betriebssystem-Update
  • Stabiles Unix, auf dem das macOS aufbaut
  • Geringer Wartungs- und Updateaufwand
  • Möglichkeit, native iOS Apps basierend auf FileMaker zu entwickeln, weil dazu XCode von Apple notwendig ist, das nur für macOS verfügbar ist

Betreffend der langen Einsatzdauer von Mac Hardware: Ich nutze immer noch ein MacBook Pro mit SSD aus 2009, unter dem aktuellen System, das für die FileMaker Entwicklung problemlos eingesetzt werden kann.

 

Noch ein Hinweis zum Server OS

Dieser Blog Beitrag behandelt eigentlich nur die Frage des Arbeitsplatz-Systems für den Entwickler. Als Entwickler werden Sie sich aber auch damit befassen, wie Sie bezüglich Server vorgehen. In einer grösseren Unternehmung wird die Server Plattform definiert sein, aber in kleineren Unternehmungen werden Sie möglicherweise vor der Wahl stehen, einen geeigneten Server einzusetzen oder eine Hosting Dienstleistung zu nutzen. Wenn Sie sich für einen eigenen Server in einem kleineren Unternehmen entscheiden, sollten Sie macOS mit einem Mac mini auch mit evaluieren. Lesen Sie dazu mehr in meinem Blog Artikel vom Juni.

 

Fazit

Wenn Sie ausschliesslich für FileMaker Clients unter Windows entwickeln, oder wenn die IT Strategie eine Windows Maschine verlangt, ist es logisch, eine FileMaker Lösung unter Windows zu entwickeln.

 

Wenn Sie aber einen Mix aus Plattformen (oder WebDirect) bedienen müssen, sind grundsätzlich beide Plattformen absolut gut, ein Test auf der jeweils anderen Plattform ist jedoch in der Regel eine Voraussetzung. Um in diesem Fall aber mit einem Computer arbeiten zu können, empfehle ich mit dem Mac zu arbeiten. Damit haben Sie gleichzeitig auch ein paar weitere schöne Vorteile.

 

Oder anders gesagt: Wenn Sie frei sind im Entscheid der Entwicklungsplattform, spricht mehr für einen Mac. Fairerweise möchte ich anmerken, ich habe bis Ende 2015 mit FileMaker unter Windows XP und Windows 7 gearbeitet, da die Plattform durch die IT Strategie der Unternehmung gegeben war. Ich habe dies nie als Nachteil empfunden, musste allerdings auch keine macOS Clients berücksichtigen.

 

Bei der Gründung von AVANEVO konnte ich jedoch frei bestimmen und habe mich für macOS als primäre Entwicklerplattform entschieden, trotz dem wirklich guten Windows 10. Windows nutze ich unter BootCamp, da mit der Virtualisierung gelegentlich einige Probleme aufgetreten sind, was bei BootCamp nie der Fall war. BootCamp integriert übrigens auch die Apple Hardware wie Trackpad, Tastatur oder die Ansteuerung des iMac 5K Retina Displays perfekt.

 

Wie immer, Feedback ist willkommen und freut mich sehr.

 

29.8.2016
Markus Spieler

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